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Veranstaltung: Denkerei mobil: Einheit durch Verschiedenheit statt Einheit aus Verschiedenheit

Montag, 16.12.2019, 19:30 Uhr, Berlin, Galerie Verein Berliner Künstler, Schöneberger Ufer 57, 10785 Berlin

Im Rahmen der Reihe „Europa fällt? Europa bleibt!“


Kunst- und Kulturgeschichte geben das Beispiel für die Zivilisierung der Kulturen


Der Europa-Gedanke ist in eine schwere Krise geraten. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Überlebenden in so gut wie allen europäischen Ländern die Vereinigung Europas als Friedensmission verstanden. Der Friede werde garantiert, wenn aus der Vielzahl der Nationalstaaten und ihrer Egoismen eine neue Einheit geschmiedet würde. Um dieses Ziel zu erreichen, glaubte man, die Bedeutung der nationalen Kulturstaaten schwächen zu müssen. Ein Vorbild für die Versuche zur Vereinheitlichung waren die Vereinigten Staaten von Amerika. 1782 wurde das Staatsmotto „E pluribus unum“ – aus vielen Einwandererkulturen eine Einheit schaffen – zum Bild des „melting pot“ zusammengefasst. Aber sowohl in der „Neuen Welt“ als auch im Europa der Nachkriegszeit ist das Programm, Vielheit zur Einheit zu verschmelzen, nicht aufgegangen. Das heißt aber nicht, dass Einheit durch Zusammenschluss prinzipiell unmöglich ist.

Kunst- und Kulturgeschichte haben seit Beginn ihres Wissenschaftsanspruchs dargelegt, dass Einheit nur durch die Sicherung von Einmaligkeit und Besonderheit erreicht werden kann. Sie zeigten, dass erst durch den Vergleich der einzelnen Artefakte geschichtliche Einheiten wie Epochen, Stilperioden oder Kulturräume entstehen können. Erst aus der Sicherung des Verschiedenen durch Ordnung ergibt sich die Einheit.
Auf das Konzept „Vereinigtes Europa“ übertragen, heißt das, nur durch die Anerkennung der Unterschiede zwischen den nationalen Kulturstaaten kann sich ihre Einheit entwickeln. Die Basis der Einheit ist der Vergleich. Politik der Einheit ist also die Kunst des nicht wertenden Vergleichs. Alle einzelnen nationalen Kulturstaaten sind aufeinander angewiesen, um im Vergleich ihre Einmaligkeit demonstrieren zu können.

Die Sicht auf die europäische Einheit verlangt im Gegensatz zur Vorstellung vom „melting pot“ das Verständnis für Einheit durch Verschiedenheit. Die Berufung auf Einmaligkeit verlangt Respekt und Anerkennung der konkurrierenden Geltungsansprüche. Erst in der Anerkennung der Anderen als Unterschiedenen lässt sich Singularität behaupten. Das ist das Gegenteil des Strebens nach Vorherrschaft.

Das Bestehen auf der je Einmaligkeit aller beteiligten nationalen Kulturstaaten im Vergleich zueinander nennen wir das Konzept der „Zivilisierung der Kulturen“ oder „Musealisierung als Zivilisationsstrategie“.

Das könnte man auf überzeugende Weise am Beispiel eines Vergleichs der modernen Ikonographien der einzelnen Nationalstaaten darstellen. Die Präsentation beispielsweise der deutschen Ikonographie in der „Kunst“ (ein europäisches Konstrukt seit 1400) macht erst Sinn, wenn man sie mit den Ikonographien der Tschechen, der Italiener, der Franzosen etc. vergleicht. Ohne den Vergleich wäre es unmöglich, eine nationale Ikonographie zu definieren.

Die parallele Präsentation der modernen Ikonographien europäischer Kulturstaaten ermöglicht den Betrachtern ein zeitgenössisches Welt- und Selbstverständnis. Mit der Verpflichtung auf Singularität aller werden nationalistische Tendenzen unterlaufen. Ein „guter Europäer“ versteht es, die Charakteristika von konkurrierenden Kulturen zueinander in Beziehung zu setzen und sie damit in ihrer Einmaligkeit anzuerkennen.

Informationen und Termine zur Reihe „Europa fällt? Europa bleibt!“ unter: www.denkerei-berlin.de/kalender/?id=1336

In Kooperation mit dem Verein Berliner Künstler: www.vbk-art.de

Europa fällt? Europa bleibt!

Europa fällt? Europa bleibt! | Gestaltung: QART, Hamburg

Arts Club Berlin – Eine Initiative der Künstlerinnen und Künstler des VBK

Arts Club Berlin – Eine Initiative der Künstlerinnen und Künstler des VBK