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Veranstaltung: Richard Faber: Religionspolitologie oder: ‚Was heißt Theokratie?‘

Mittwoch, 21.03.2018, 18:30 Uhr, Berlin, Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 Berlin

Vortrag in der Reihe „Die Wirkung des Sakralen im Säkularen“

Der spätestens aufgrund seines partiellen Schülers Emmanuel Macron auch in Deutschland bekannt gewordene Philosoph Paul Ricoeur wollte festgehalten wissen: "Historisch gesehen kann die Versuchung, das Wahre gewaltsam zu unifizieren, von zwei Polen herkommen: vom klerikalen und vom politischen Pol.“ – Religionspolitologie muss im besten Sinne schielen: Politik und Religion gleichermaßen observieren – und differenzieren muss sie auch, gibt es doch recht verschiedene Theokratien, worauf des Biblischen Theologen Jürgen Ebach Frage abhebt: „Legitimiert die Herrschaft Gottes die Herrschaft von Menschen über Menschen oder bestreitet sie sie?“

Selbst der späte Carl Schmitt anerkannte, dass es neben der von ihm vertretenen, Herrschaft legitimierenden Politischen Theologie auch eine von ihm heftig bekämpfte herrschaftskritische gibt. Hugo Ball hielt in frühen Tagen, doch wie wenn er Schmitt schon damals gekannt hätte, „Theokratie, von Gott eingesetzte Gewalt“, für „das Sakrileg aller Sakrilegien“. Nüchtern, ganz und gar soziologisch: ideologiekritisch heißt es noch heute bei Pierre Bourdieu: „Theodizeen sind immer auch Soziodizeen.“ Dennoch braucht es nicht mehr als eine petitio principii gewesen zu sein, als Gustav Regler dekretierte: „Die Rebellion gegen die Gewalt ist von Gott.“ Immerhin ließ schon die Apostelgeschichte keinen Zweifel daran, dass man Gott mehr gehorchen müsse als den Menschen.

Leopold von Verschuer liest zur Einführung aus Hugo Balls Huldigung an Carl Schmitt: „Carl Schmitts Politische Theologie“ (erschienen in: Hochland, 21. Jg., April-Sep. 1924, Bd. 2, S. 261–286).

Zur Person:

Richard Faber studierte Germanistik, Geschichte, Politologie, Philosophie, Religionswissenschaft und Soziologie und wurde 1973 in Philosophie promoviert. Seit seiner Habilitation mit einer Arbeit zur Kritik der Konservativen Revolution im Jahr 1977 ist er Privatdozent für Soziologie (insbesondere Soziologie der Literatur) an der Freien Universität Berlin, seit 2006 Honorarprofessor.

Themen seiner Forschungen und zahlreichen Veröffentlichungen sind die Abendländische Bewegung, der Humanismus, die Politische Theologie, Katholizismus, Protestantismus und Judentum, Atheismus, Nationalsozialismus und Faschismus sowie die 68er Kulturrevolution.

Zur Reihe:

„Die Einheit von Glauben und Wissen“ und „Die Wirkung des Sakralen im Säkularen“ sind die beiden Hauptthemen der Denkerei für das Jahr 2018 – mit Vorträgen von Ulrike Eichler zum Opferbegriff (20.03.18), Sigrid Weigel zur politischen Theologie (19.06.18), Inigo Bocken & Bazon Brock zur Trinität (20.06.18), Georg Bertram & Inigo Bocken zu Hegels Text „Glauben und Wissen“ (voraussichtlich September 2018) u.a.

Theokratie. Hrsg. von Jacob Taubes

Theokratie. Hrsg. von Jacob Taubes | München/Paderborn/Wien/Zürich 1987.