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Veranstaltung: Es schweigt das Gerede, das Herz aber schreit

Dienstag, 29.01.2019, 18:30 Uhr, Berlin, Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 Berlin

Sprache mystischer Erfahrung zwischen Aurelius Augustinus und Ingeborg Bachmann – ein Vortrag von Ulrike Eichler

Die Möglichkeit eines Anderen, einer anderen Wirklichkeit, ihres wahrnehmbar Werdens und zur Sprache Kommens ist eine Frage, ja, sie ist vielleicht die Frage, ohne die es Kunst nicht gibt. Kunst nicht und auch nicht Literatur. Keine Politik, und auch keine Philosophie oder Theologie, die ihren Namen verdient, ist glaubwürdig ohne dass eine Erfahrung dieses Anderen in ihr aufscheint.

Wie aber Sprache einer anderen Wirklichkeit in dieser Wirklichkeit – der einzigen Wirklichkeit, in der es Erfahrung gibt – finden, die etwas von der Erfahrung eines Anderen weiß oder auch nur ahnt? Wie also glaubhaft von einem Anderen sprechen – hier in dieser Welt. Von Transzendenz also in der Immanenz.

Die Frage wird umso dringlicher, je unerbittlicher sich die Unheilszusammenhänge zeigen, die die Welt als Ganze ebenso im Griff haben wie die Leben der Einzelnen. „Auf diese eine Sprache hin, die noch nie regiert hat, die aber unsere Ahnungen regiert“, weist die Dichterin Ingeborg Bachmann, Kennerin christlicher Mystik, und schreibt: „Wir besitzen sie als Fragment in der Dichtung, konkretisiert in einer Zeile oder einer Szene, und begreifen uns aufatmend darin als zur Sprache gekommen.“

Die evangelische Theologin Ulrike Eichler geht dem Zur Sprache Kommen Ingeborg Bachmanns nach, indem sie ihr Erzählen mit Augustin ins Gespräch bringt, innerhalb dessen theologischer Autobiographie, den Confessiones, sich der Text findet, der für alle christliche mystische Rede grundlegend ist.

Denn das Innerste mystischen Sprechens besteht eben in der Erfahrung einer anderen Möglichkeit mitten in der Wirklichkeit. Mystik – Theologie und Poesie zugleich – spricht von augenblickshaften Erfahrungen des Durchbruchs zur Wirklichkeit Gottes und zur kreatürlichen Wirklichkeit, ebenso wie von der unaufgebbaren Sehnsucht nach ihr. Diese Sehnsucht gilt dem Fließenden hingebungsvoller Liebe und Kommunikation; ihr Schrecken dem Moment, in dem Identität umschlägt in Erstarrung, in Abgeschnittenheit von Anderen, von der Welt.

Der Vortrag von Ulrike Eichler sucht demgegenüber nach dem Moment aufatmenden zur Sprache Kommens im Werk Ingeborg Bachmanns und damit nach einer Öffnung hin zu einem kaum mehr erwartbaren Möglichen.