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Veranstaltung: Inszenierung der Wahrheit?

Dienstag, 26.02.2019, 18:30 Uhr, Berlin, Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 Berlind

In der Reihe „Diktatur der Wahrheit“ – Mit Susann Kabisch, Benjamin Leven und Bazon Brock 

Benjamin Leven: „Die nackte Wahrheit. Der Leib und das Kleid im Christentum“

Im Sommer 2018 wurde in Hamburg eine Schau der Künstlerin Julia Krahn in einer Kirche abgesagt – wegen der Darstellung von Nacktheit. Dabei sind etwa die Kirchen des Barock voll von nackten Menschen. Auch der Erlöser hängt nackt am Kreuz. Denn die Nacktheit ist Ausdruck der Wahrheit über den Menschen: seiner verletzlichen Natur und seiner Rettung durch Gnade. Vor dem Sündenfall waren Adam und Eva nicht nackt, sie waren nur unbekleidet. Es umhüllte sie das Kleid der göttlichen Gnade, das sie erst verloren, als sie von der verbotenen Frucht der Erkenntnis der Wahrheit aßen. Hier beginnt die Geschichte der Mode und damit der ständigen Suche des Menschen nach einer neuen Interpretation seiner selbst.

Susann Kabisch: „Gott und Mensch in Szene gesetzt. Inszenierung der Wahrheit bei Cusanus“

Nikolaus von Kues (1401-1464) kommt am Übergang zwischen Spätmittelalter und früher Neuzeit zu dem Schluss: „Der Mensch kann nicht anders als auf menschliche Weise urteilen.“ Menschliches Leben aber geschieht nicht anders als in je konkreten Situationen, also auch Urteilen und Erkennen. Das Denken, sofern es sich vollzieht, findet im Konkreten statt. Für uns Menschen ist Wahrheit außerhalb von konkreten Situationen nicht erfassbar. Entsprechend evoziert der Cusaner in vielen seiner Texte konkrete Szenarien, die das Vorstellungsvermögen der Leser herausfordern und zum eigenen Nachvollzug der diskutierten Gedanken führen. Der Vortrag wird zeigen, inwiefern diese Texte für die Lesenden einen Erfahrungsraum in Szene setzen und jeweils einen möglichen Erfahrungsweg durch diese Texte nachzeichnen.

Am 8. März 2019 wird die Reihe mit Jonathan Meese und der „Diktatur der Religionen“ fortgesetzt.

Zu den Personen:

Benjamin Leven wurde 1981 in Bonn geboren und studierte katholische Theologie sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in Berlin, Utrecht und Rom. 2014 promovierte er an der Graduiertenschule für die Geisteswissenschaften der Universität Würzburg. Von 2013 bis 2015 war er Mitarbeiter des Deutschen Liturgischen Institutes in Trier und arbeitete dort als Schriftleiter der Zeitschriften „Gottesdienst“ und „praxis gottesdienst“. Seit Oktober 2015 ist er Redakteuer der „Herder Korrespondenz“, einem Monatsheft für Gesellschaft und Religion. 2017 und 2018 arbeitete er als Vatikankorrespondent sowie Verlagsrepräsentant in Rom. 

Susann Kabisch studierte Philosophie-Künste-Medien an der Universität Hildesheim. Ihre Dissertation, die sie im April 2019 verteidigen wird, trägt den Titel „Gott und Mensch in Szene gesetzt. Idiota de mente und De visione Dei als zwei der philosophischen Inszenierungen des Nikolaus von Kues“. Sie ist Fellow des Titus Brandsma Instituts für Spiritualitätsforschung Nijmegen (NL) und Mitglied der Kueser Akademie für Europäische Geistesgeschichte.

Julia Krahn: Vater und Tochter, 2011

Julia Krahn: Vater und Tochter, 2011 | Fotografie, 142 cm x 113 cm. © Julia Krahn