Ab Juni 2019:
Denkerei (Büro)
Ritterstr. 8
10969 Berlin
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Veranstaltung: Gott (Krieg) und die Welt. Über die gute Unendlichkeit. Teil 2

Sonntag, 20.01.2019, 10:00 Uhr, Berlin, Denkerei, Oranienplatz 2, 10999 Berlin

Symposium zum 80. Geburtstag von Heiner Mühlmann (19.-20.01.2019)

Mit Beiträgen von: Gerhard Blechinger, Bazon Brock, Jacob Burda, Rainer Gabriel, Thomas Grunwald, Ulrich Heinen, Viktoria Kirjuchina, Heiner Mühlmann, Nico Pezer, Arne Scheuermann

Samstag, 19.01.2019, 14-20 Uhr: https://denkerei-berlin.de/kalender/?id=1303

Sonntag, 20.01.2019, 10-16 Uhr: https://denkerei-berlin.de/kalender/?id=1312

Programm für Sonntag, den 20.01.2019

10 Uhr
Thomas Grunwald:
Wie die Welt aus dem Kopf kommt –
und was die Epileptologie von der Rhetorik lernen will

Epileptische Anfälle können Menschen vorübergehend der Möglichkeit berauben, von der Welt zu wissen und sich bewusst zu ihr zu verhalten. Manche Epilepsien können den Betroffenen auch die Möglichkeit nehmen, ihr Gedächtnis zur Schaffung der Zukunft ihrer Welt zu nutzen. Die Epileptologie hat einiges darüber lernen können, wie das Gehirn Relevanz kodiert, um Gedächtnisinhalte zu speichern. Davon aber, wie man Relevanz schafft, können die Neurowissenschaften nicht sprechen. Statt darüber zu schweigen, können sie nun aber beginnen zu fragen.

11 Uhr
Gerhard Blechinger:
Heiner Mühlmann als politischer Philosoph

Der heutige politische Diskurs in Deutschland ist wenig geprägt von Beiträgen aus den philosophischen Disziplinen. Und für eine Politik des erfolgreichen Inkrementalismus ist es tatsächlich gleichgültig, ob die Feuilletons den utopischen Liberalismus oder eine Theorie von gewaltfreien Verständigungsverhältnissen in die Meinungsökonomie entlassen. Für die strategische Gestaltung von Politik ist Entwicklung eines diskursiven politischen Instrumentariums allerdings unerlässlich, das Wissen um gesellschaftliche Mechanismen grundlegend. Heiner Mühlmanns Neuformulierung der Kulturanthropologie entwickelt diese Kategorie von Begriffen, deren Brisanz und politische Kraft sich erst noch entwickeln wird. Beginnen wir mit einer Exegese.

12 Uhr
Ulrich Heinen:
Krieg. Stil. Staat. Rubens, gelesen mit Heiner Mühlmann

Als Flüchtling geboren – hineinerzogen in die Elite, die ihr Leben lang an der Wiederherstellung des Zivilen zu arbeiten hatte – und am Ende immer noch im Krieg. Die Synthese des taciteischen (handlungspraktischen) und des stoischen (naturtheoretischen) Denkens bot für Rubens und seine Umgebung eine Grundlagen zur Rekonstruktion der Gesellschaft, die bis heute nachwirkt. Es ist kein Zufall, dass gerade Rubens’ politische Arbeit mit den kulturanthropologischen Theoremen zusammengelesen werden kann, die Heiner Mühlmann seit seinen frühen kunstgeschichtlichen Überlegungen auf- und ausgebaut hat.

Mittagspause

14 Uhr
Rainer Gabriel:
Evidence based bad luck (AT)
Das Konzept der ‚guten Unendlichkeit‘ als Big Data-basierte Design-Anwendung (Projektvorstellung Büro Gabriel)

Wie könnte in einer technikgläubigen Gesellschaft eine Software-basierte Anwendung aussehen, die das Verlangen nach sofortiger Erfüllung aller Wünsche unterläuft und trotzdem ein Gefühl von Glück vermittelt? Die Spurensuche entlang der Mühlmannschen Theorie der Kulturevolution deutet Möglichkeiten an, auf deren Basis das Glück quasi im Rückspiegel erscheint und Ruhe sowie Orientierung in einer strukturell problematischen Zukunft anbietet.

15 Uhr
Nico Pezer:
Wissenschaft und informelle Ideologie (Ideologie ohne offizielle Doktrin)

Informelle Ideologien ohne offizielle Doktrin kommen in vielen Varianten vor, als herrschende Meinung, als Zeitgeist oder als sensus communis. Auch sie entfalten mächtige Wirkung. Nach der Überlieferung glaubte Aristoteles, dass Frauen weniger Zähne haben als Männer – abgesehen vom etwaigen Zahnverlust. Obwohl es für ihn einfach gewesen wäre das nachzuprüfen, hat er vom Nachzählen abgesehen. Es war die allgemeine Meinung.
Ich möchte Ihnen in diesem Zusammenhang den Fall eines Schweizer Wissenschaftlers des späten 19. Jahrhunderts vorstellen. Jost Winteler hat durch glückliche Wahl der Methoden und durch präzise Beobachtung des Funktionierens seiner Heimatmundart neue und wertvolle Beiträge zur Sprachwissenschaft erzielt. Persönlich hat er von seiner Arbeit keinen Nutzen gehabt. Sein Scheitern erklärt sich durch die Herrschaft des junggrammatischen Zeitgeistes in den akademischen Zirkeln im deutschsprachigen Raum jener Zeit.

Teilnehmer:

Prof. Dr. Gerald Blechinger, FH Salzburg
www.fh-salzburg.ac.at/typo3temp/_cv34381.pdf

Dr. Rainer Gabriel, Kommunikationsdesigner, Wuppertal
http://www.designrhetorik.de/rainer-gabriel/

Prof. Dr. Dr. med. Thomas Grunwald, Schweizerisches Epilepsie-Zentrum, Zürich
https://www.kliniklengg.ch/belegschaft/cv_thomas-grunwald

Prof. Dr. Ulrich Heinen, Bergische Universität Wuppertal
https://www.kunst.uni-wuppertal.de/personen/hochschullehrerinnen-und-hochschullehrer/professorinnen-und-professoren/prof-dr-phil-ulrich-heinen.html

Dr. Nico Pezer, Salzburg Urstein Institut
https://www.salzburg-urstein-institut.com/team/dr-nico-pezer/