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Veranstaltung: Denkerei im re|space: „Notfalls leben wir auch ohne Herz“ (Beuys)

Mittwoch, 15.09.2021, 19:00 Uhr, Berlin, re|space gallery, Mommsenstr. 71, 10629 Berlin

Zur Einhaltung der Corona-Bestimmungen bitten wir um Anmeldung mit Name, Telefonnummer und Adresse bis zum 15.09.21, 12 Uhr an: info@denkerei-berlin.de

Teilnahme nur mit Nachweis (Geimpft, Getestet oder Genesen)

Spiritualität und Avantgarde – Gespräch mit Bazon Brock, Nicole Fritz und Christian Jankowski. Moderation: Marina Sawall

Beuys hat in Wuppertal die Geschichte des Färbermeisters Bayer verstanden, der die lokalen Überlieferungen, wo der Nibelungenschatz im Rhein untergegangen sei, als Grundlage für die Gründung seiner Chemiewerke gesehen und den Mythos sofort auf die industrielle Realität übertragen hat. Solche Übergänge aus einer historisch tradierten Spur in die technologische Lebenswelt der Neuzeit haben Beuys fasziniert – als erschließende Arbeit an der Kraft der Mythologie. Darin war Beuys ganz groß, er hat das höchste Niveau dieser Fähigkeit im 20. Jahrhundert erreicht.
Die gesamte Moderne ist nichts anderes als eine Bewegung in der Tradition des Mythos oder der Spiritualität der Mystiker oder auch der Geisterseherei, die gerade die Aufklärungskunst in Europa bestimmt hat (deshalb konnten sich sogar die Nationalsozialisten als modern verstehen).
Die Aufklärung ist getragen von der Spiritualbewegung, die eben nicht von der Rationalität abgegrenzt und ausgegrenzt werden kann, sondern die diese Rationalität begründet. Veit Loers hat in seiner grandiosen Arbeit „Okkultismus und Avantgarde. Von Munch bis Mondrian 1900-1915“ die gesamte Geschichte der Modernen Kunst und der theoretischen Begleitung aus den Naturwissenschaften nachgewiesen.
Wahrheit im naturwissenschaftlichen Sinne ist eine Aussage, die wir alle akzeptieren, weil sie nicht nur einen Urheber hat. Das gilt genauso für den Mythos. Auch der Mythos ist eine urheberlos gewordene Aussage. Von der Struktur und damit auch von der potentiellen Wirksamkeit her stimmen wissenschaftliche Wahrheit und Mythos vollkommen überein.
Daher war es nicht mehr möglich, zu behaupten, es gäbe einen Unterschied zwischen den Glaubenssätzen der Naturwissenschaftler und denen der Mystiker.

Zu den Personen:

Dr. Nicole Fritz, Direktorin der Kunsthalle Tübingen

Christian Jankowski, Künstler, Berlin

Zum Ort:

re|space Gallery, Berlin-Charlottenburg

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