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Veranstaltung: Denkerei im re|space: Die Forderung nach Schönheit ist revolutionär

Donnerstag, 21.10.2021, 19:00 Uhr, Berlin, re|space gallery, Mommsenstr. 71, 10629 Berlin

Aufgrund der derzeit geltenden Corona-Schutzbestimmungen ist Voraussetzung für Ihre Teilnahme, dass Sie vollständig geimpft (>14 Tage nach abschließender Impfung) oder genesen sind oder einen tagesaktuellen, zertifizierten Negativtest vorweisen können. Ein entsprechender Nachweis ist bei Einlass vorzulegen.

Die Rückverfolgbarkeit macht zudem die Erfassung Ihrer Daten erforderlich. Deshalb bitten wir um Anmeldung mit Adresse und Telefonnummer bis 20.10.2021, 18 Uhr an: info@denkerei-berlin.de

Es gelten die allgemeinen Hygieneregeln.

Bitte informieren Sie sich darüber hinaus vor der Veranstaltung über etwaige tagesaktuelle Änderungen bei den Bestimmungen.

Schon der Maler und Künstlerbiograf Giorgio Vasari merkt Mitte des 16. Jahrhunderts an, dass die betörend schön gemalten Akte des Heiligen Sebastian die Kirchenbesucher in sehr ambivalente Gefühle versetzt haben dürfte. Einerseits sollten ihnen die Gemälde im sakralen Kontext das Leiden des Märtyrers in der Nachfolge Christi nahebringen; andererseits verführte die malerische und ästhetische Qualität des Bildes dazu, das Leiden des Märtyrers zu verdrängen und die Darstellung zu genießen. Das schreckliche, das todbringende Leiden, das kreatürliche Elend wurde in der künstlerischen Bewältigung zu etwas Interessantem, Großartigen, ja Schönen.

Die Ambivalenz von Schönheit und Schrecken, von Zerstörung und Schöpfung, das ist das „Sublime“, eine bestimmende Kategorie im Programm des Klassizismus von seinen Ursprüngen her. Der Klassizismus will verbindliche und nicht leere Abstraktionen als zeitenüberdauernde Schönheit gegen die jeweils konkreten historischen Befindlichkeiten der Menschen setzen.

Die klassischen Griechen verstanden Schönheit als das, so Gadamer, womit man sich in der Öffentlichkeit sehen lassen kann, also als das Überindividuelle, gesellschaftlich Verbindliche. Im Laufe unserer Kulturgeschichte wurde immer wieder versucht, dort Verbindlichkeit zu erzwingen, wo sie eben gerade nicht gilt. Das wurde zum Programm auch des radikalsten Klassizismus der Nationalsozialisten und vieler kapitalistischer Betonbrutalisten.

Wir sind aufgefordert, den radikalen Zugriff auf klassizistische Programme nicht weiterhin als Vorwand dafür zu benutzen, das Verlangen nach Schönheit und Dauer als reaktionäre Ausblendung sozialer Probleme, ja der Geschichte schlechthin zu stigmatisieren!

Als Lektüre für das Gesamtthema siehe:

Weitere Termine:

4.11.2021, 19 Uhr:
Die Kunst hängt nicht an der Wand, sondern in Ihrem Kopf!

11.11.2021, 19 Uhr:
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Vom Paulus zum Saulus: Aufklärung der Kunstpaulusse

18.11.2021, 19 Uhr:
Die Chinesen sind die besseren Deutschen
Etwas ist vergangen, wenn es von der Gegenseite übernommen wird.